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Dachentwässerung und freie Abläufe

Dichtigkeits­prüfung und
Leckageortung

für Gewerbe- und Industriedächer

Eine Dichtigkeitsprüfung am Flachdach untersucht, ob die Dachabdichtung Wasser zurückhält. Die Leckageortung geht einen Schritt weiter: Sie soll eine undichte Stelle möglichst genau lokalisieren, damit eine Reparatur auf den betroffenen Bereich begrenzt werden kann. Welches Verfahren geeignet ist, hängt unter anderem vom Dachaufbau, der Abdichtung, einer vorhandenen Auflast und der Zugänglichkeit der Dachfläche ab.

Dichtigkeitsprüfung und Leckageortung werden häufig gemeinsam betrachtet, verfolgen aber nicht exakt dasselbe Ziel. Während eine Dichtigkeitsprüfung die Funktion der Abdichtung beurteilt, konzentriert sich die Leckageortung auf das Auffinden einer Fehlstelle. Eine Feuchtemessung kann ergänzend zeigen, in welchen Bereichen des Dachaufbaus erhöhte Feuchtigkeit vorhanden ist. Sie lokalisiert jedoch nicht automatisch die Stelle, an der Wasser in die Konstruktion eingedrungen ist.

Dichtigkeitsprüfung und Leckageortung
Was heißt das für Flachdächer?

Eine Dichtigkeitsprüfung untersucht, ob die Dachabdichtung ihre wasserführende Funktion erfüllt. Der Begriff beschreibt dabei nicht nur eine einzige Messmethode. Je nach Dachaufbau kommen beispielsweise eine Sichtprüfung, eine elektrische Prüfung, eine Prüfung mit Tracergas, eine Nahtprüfung oder eine ergänzende Feuchtemessung infrage. Die konkrete Auswahl richtet sich nach der Konstruktion und der Fragestellung.

Eine Leckage ist eine undichte Stelle, durch die Wasser oder Feuchtigkeit in einen Dachaufbau eindringen kann. Bei der Leckageortung wird versucht, die Position dieser Stelle möglichst genau einzugrenzen. Die sichtbare Schadensstelle im Gebäudeinneren liegt dabei nicht zwingend direkt unter der undichten Stelle auf dem Dach. Wasser kann sich innerhalb von Abdichtungs-, Schutz-, Dämm- oder Tragschichten seitlich bewegen. Deshalb sollte die Suche nicht allein an der Stelle beginnen, an der sich ein Wasserfleck oder eine Durchfeuchtung zeigt.

Was ist der Unterschied zwischen Feuchtemessung und Leckageortung?

Eine Feuchtemessung beantwortet zunächst die Frage, wo Feuchtigkeit vorhanden ist. Eine Leckageortung soll dagegen klären, wo die Abdichtung beschädigt oder undicht ist.

Beide Untersuchungen können sich ergänzen:

  • Die Feuchtemessung kann feuchte Bereiche im Dachaufbau eingrenzen.
  • Die Leckageortung kann eine Fehlstelle in der Abdichtung lokalisieren.
  • Eine Sichtprüfung kann sichtbare Schäden und auffällige Anschlüsse erfassen.
  • Eine anschließende Dokumentation unterstützt die Planung von Reparatur oder Sanierung.

Ein erhöhter Feuchtewert ist daher nicht automatisch der Nachweis einer bestimmten Leckstelle. Umgekehrt kann eine undichte Stelle vorhanden sein, ohne dass sich die Feuchtigkeit unmittelbar an derselben Position zeigt.

Wann ist eine Dichtigkeitsprüfung sinnvoll?

Eine Untersuchung des Flachdachs kann in unterschiedlichen Situationen sinnvoll sein.

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Bei Neubau und Sanierung

Vor dem Aufbringen einer Begrünung, einer Schutzschicht oder einer anderen Auflast sollte die Dichtheit der darunterliegenden Abdichtung geprüft und dokumentiert werden. Ist die Abdichtung anschließend nicht mehr frei zugänglich, können spätere Untersuchungen aufwendiger werden. Bei begrünten Dachflächen stellen Vegetation, Substrat, Dränage- und Schutzschichten besondere Anforderungen an die Leckageortung.

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Bei Anzeichen eines Wassereintritts

Eine Untersuchung sollte in Betracht gezogen werden, wenn beispielsweise folgende Auffälligkeiten auftreten:

  • Feuchteflecken an Decken oder Wänden
  • wiederkehrender Wassereintritt nach Niederschlägen
  • Durchfeuchtung der Wärmedämmung
  • auffällige Gerüche oder sichtbare Feuchte im Gebäudeinneren
  • stehendes Wasser oder ungewöhnliche Pfützenbildung auf der Dachfläche
  • sichtbare Schäden an Abdichtungsbahnen, Nähten oder Anschlüssen
  • Schäden im Bereich von Dachabläufen, Lichtkuppeln oder Durchdringungen
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Nach Arbeiten auf der Dachfläche

Arbeiten an Solaranlagen, technischen Aufbauten, Dachbegrünungen oder anderen Einrichtungen können die Abdichtung zusätzlich beanspruchen. Bei komplexen Dachflächen kann es deshalb sinnvoll sein, die Dichtheit nach Abschluss der Arbeiten zu kontrollieren und die Ergebnisse zu dokumentieren. Bei dafür geeigneten Dachaufbauten können dauerhaft integrierte Kontroll- oder Sensorsysteme spätere Prüfungen erleichtern.

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Verfahren zur Dichtigkeitsprüfung und Leckageortung

Es gibt kein einzelnes Verfahren, das für jedes Flachdach gleichermaßen geeignet ist. Die geeignete Methode ist abhängig von Konstruktion, Dachaufbau, Abdichtungsmaterial sowie Auflast. In vielen Fällen kann die Kombination mehrerer Verfahren sinnvoller sein als die alleinige Anwendung einer Methode.

  • Sichtprüfung
  • Elektroimpulsverfahren
  • Tracergasverfahren
  • Rauchgasverfahren
  • Radiometrische Feuchtemessung

Sichtprüfung

Die Sichtprüfung ist häufig der erste Schritt einer Untersuchung. Dabei werden die zugänglichen Bereiche der Dachfläche und insbesondere typische Schwachstellen betrachtet. Dazu gehören unter anderem:

  • Abdichtungsbahnen
  • Schweiß- und Klebenähte
  • Randabschlüsse und Attiken
  • Dachabläufe und Notentwässerungen
  • Lichtkuppeln und Dachfenster
  • Rohr-, Kabel- und Befestigungsdurchdringungen
  • Übergänge zu aufgehenden Bauteilen
  • mechanische Beschädigungen, Falten oder Ablösungen

Eine Sichtprüfung kann auffällige Bereiche sichtbar machen. Sie ist jedoch nicht mit einem vollständigen Dichtheitsnachweis gleichzusetzen. Nicht jede Fehlstelle ist sichtbar oder liegt in einem frei zugänglichen Bereich. Deshalb kann je nach Aufgabenstellung ein ergänzendes Messverfahren erforderlich sein.

Elektroimpulsverfahren

Das Elektroimpulsverfahren wird auch als Potentialdifferenzmessung bezeichnet. Bei geeigneten Dachaufbauten wird ein elektrischer Impuls über die zu untersuchende Abdichtung geleitet. Ein Messgerät erfasst die entstehenden Potentialunterschiede, sodass der Weg zur Fehlstelle eingegrenzt werden kann.

Bei Flachdächern in Holzbauweise kann eine dauerhaft integrierte leitfähige Schicht erforderlich sein, damit das Verfahren auch zu einem späteren Zeitpunkt eingesetzt werden kann.

Tracergasverfahren

Beim Tracergasverfahren wird ein detektierbares Gas unter oder in den Bereich der Abdichtung eingebracht. Das Gas tritt an einer Fehlstelle aus und kann anschließend mit einem dafür geeigneten Messgerät nachgewiesen werden.

Als Tracergas werden je nach System beispielsweise Helium oder ein Wasserstoff-Stickstoff-Gemisch eingesetzt. Das Messgerät reagiert auf die austretenden Gasspuren und unterstützt die punktgenaue Eingrenzung der Leckage.

Das Verfahren kann bei bestimmten Dachaufbauten auch bei begrünten Flächen eingesetzt werden und kann für Untersuchungen im Rahmen einer Bauabnahme geeignet sein. Ob dies im konkreten Fall möglich ist, hängt unter anderem von der Abdichtung, dem Schichtenaufbau und der Zugänglichkeit ab.

Rauchgasverfahren

Beim Rauchgasverfahren wird ein Rauch-Luft-Gemisch unter eine Abdichtungsbahn eingebracht. Tritt das Gemisch an einer mechanischen Beschädigung, einer offenen Naht oder einem fehlerhaften Anschluss aus, kann die Stelle an der Oberfläche sichtbar werden.

Radiometrische Feuchtemessung

Bei der radiometrischen Feuchtemessung wird mit einer Neutronensonde die Feuchteverteilung innerhalb eines Bauteilbereichs untersucht. Wasserstoffhaltige Bestandteile, insbesondere Wasser, beeinflussen die Messung. Auf diese Weise lässt sich die qualitative Feuchteverteilung im Dämmschichtpaket zerstörungsfrei erfassen.

Das Verfahren kann helfen, durchfeuchtete Bereiche einzugrenzen und den Zustand der Wärmedämmung zu beurteilen. Es ist jedoch nur bedingt zur punktgenauen Ortung einer Leckage geeignet. Die Messung zeigt vor allem, wo Feuchtigkeit vorhanden ist – nicht zwingend, wo sie in die Abdichtung eingetreten ist.

Fazit

Welches Verfahren am besten geeignet ist, hängt vom Dachaufbau, vom Abdichtungsmaterial, von der Auflast, der Zugänglichkeit und der konkreten Fragestellung ab. In vielen Fällen führt eine Kombination aus Sichtprüfung, Feuchtemessung und einem geeigneten Ortungsverfahren zu einer belastbareren Einschätzung als die Anwendung nur einer einzelnen Methode.

Entscheidend ist nicht nur die Messung selbst, sondern auch die fachliche Auswahl des Verfahrens, die nachvollziehbare Dokumentation und die anschließende Bewertung des gesamten Dachaufbaus.

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